Accesskeys

Startseite Verbund
Die Suche beschränkt sich immer auf das ausgewählte Haus!
xxxxx
Schriftgröße ändern A A A

Klinik für Unfall-, Wiederherstellungschirurgie und Orthopädie

Wundmanagement Madenbehandlung


Die keimfreien Fliegenlarven (Lucilia sericata) bewirken durch Ausscheidung von proteolytischen Verdauungsenzymen eine schonende und blutungsfreie Nekrosektomie. Abgestorbenes Gewebe wird verflüssigt und dient den Maden als Nahrung. Lebendes Körpergewebe wird durch die Verdauungsenzyme nicht geschädigt.

Eine gesteigerte Wundsekretion nach Einbringen der Larven führt zu einem Ausschwemmen der Bakterien. Weiterhin werden bei der extrakorporalen Verdauung Substanzen wie z. B. Allantoin, Ammoniak und Kalziumkarbonat freigesetzt, die einen stimulierenden Effekt auf die Wundheilung ausüben. Die Fliegenmaden haben eine antibiotische Wirkung, die insbesondere auch bei multiresistenten Keimen wirksam ist. Infektionen durch Pseudomonas.spp, E.coli und Proteus spp. lassen sich durch Madensekret nicht beseitigen.

Die Methode wurde erstmals wissenschaftlich und in großem Umfang in den 30er Jahren von W. S. Baer eingesetzt und erlebt in Zeiten zunehmender Antibiotikaresistenzen seit Anfang der 90er Jahre ein Revival. In Deutschland begannen wir 1996 mit der Madenbehandlung und entwickelten 1999 eine "lebende Wundauflage", in der die Maden als Produzenten heilungsfördernder Sekrete eingeschlossen sind (BioBag). Mittlerweile erfolgen 95% der ca. 1.000 Madenanwendungen/ Jahr an unserer Klinik mit dem polymeren BioBag aus Polyvinylalkohol.

Nach Säuberung der Wunde werden die Maden offen oder im polymeren BioBag in die Wunde eingebracht. Bei der offenen Behandlung wird dicht am Wundrand entlang ein Hydrogelstreifen aufgebracht um eine schmerzhafte Irritation der intakten Haut zu vermeiden. Anschließend werden ca. 5 Larven pro Quadratzentimeter Wundfläche eingesetzt und das ganze Areal mit einem feinmaschigen Netz abgeklebt, so dass ein luftiger Madenkäfig entsteht.

Zur Aufrechterhaltung des benötigten feuchten Wundmilieus wird das Netz mit leicht angefeuchteten Kompressen bedeckt. Der gesamte Verband wird luftig und locker mit einer elastischen Mullbinde fixiert. Die Befeuchtung des Verbandes ist für die Maden solange lebensnotwendig, bis als Zeichen eines regelrechten Therapieverlaufes nach 12 bis 24 Stunden eine starke Sekretion einsetzt. Die Entfernung der Larven erfolgt entsprechend ihrem Lebenszyklus nach drei Tagen durch Auswischen, Ausspülen oder Absammeln mit einer anatomischen Pinzette. Sie werden mit dem Verbandsmaterial im Restmüll entsorgt.

Bei der Behandlung mit dem BioBag werden die Larven in einen teebeutelähnlichen Käfig eingebracht und sicher verschlossen. Durch die dünne poröse Kunststoffmembran erreichen die heilsamen Sekrete der Maden die Wundoberfläche und die Maden bleiben unsichtbar. Der Zustand der Wunde kann durch einfaches Anheben des BioBags jederzeit überprüft werden und die Patienten sind sogar in der Lage zu duschen, wenn sie den BioBag vorübergehend entfernen. Die poröse Kunststoffmenbran hat selbst eine stimulierende Wirkung auf die Wundheilung und ergänzt so in idealer Weise die Madenbehandlung.